Podiumsdiskussion Metropolentagung

Podiumsdiskussion "Berlin-Brandenburg - Nachhaltige Metropolenregion gemeinsam entwickeln!"
18. Mai 2022

  • Michael Brentrup, Abteilungsleiter Planung der Staatskanzlei des Landes Brandenburg
  • Dr. Edgar Göll, Berlin 21
  • Prof. Dr. Jörg Knieling, HafenCity Universität Hamburg
  • Nele Techen, stellv. Vorsitzende, DGB Berlin-Brandenburg
  • Henrik Vagt, Geschäftsführer Wirtschaft und Politik, IHK Berlin

Zentrale Fragestellung der Diskussion war es, ob und vor allem wie eine gemeinsame Vision für die Metropolregion entwickelt werden kann.

Prof. Dr. Jörg Knieling: Dazu gehört z.B. die Inwertsetzung von visionären Elementen und Projekten und deren Weiterentwicklung bzw. Skalierung. Es braucht institutionalisierte Formen, wie Pioniere sich konkret und aktiv einbringen können. Auch die Verwaltungen sollten insgesamt experimentierfreudiger werden und das Überwinden von Routinen zulassen und unterstützen. Außerdem muss es Indikatoren geben, an denen man sich messen kann. Prof. Dr. Knieling unterstützt das Format der Bürger*innenräte/ Bürgergutachten. Es sollte jedoch nicht bei einmaligen Interventionen der Zivilgesellschaft bleiben, sondern das Ziel sind dauerhaft eingerichtete Gremien und Feedbackschleifen

Nele Techen: Fachkräftemangel und Qualifizierung für neue Aufgaben sind Herausforderungen der sozial-ökologischen Transformation, die oft mit Zeitproblemen und Überlastung der Betriebe einhergehen. Der Ukraine-Krieg erhöht nochmals die Notwendigkeit, die Erneuerbaren Energien auszubauen.
Strategien sind in vielen Formen vorhanden (Klima-, Fachkräfte-, Energie- usw.), der DGB beteiligt sich und arbeitet daran, dass die Umbauprojekte Kriterien für "Gute Arbeit" berücksichtigen. Bei neuen Strategien sollte diese Verknüpfung gleich mitgedacht werden, daher muss die Zivilgesellschaft gleich bei der Entwicklung mitwirken. Auch wenn das konträr zu beschleunigten Verfahren steht. Der DGB hat z.B. ein Regionalbüro in der Strukturwandelregion Lausitz.

Henrik Vagt: Die gemeinsame Vision muss maßgeblich darüber bestimmen, wie der (Beteiligungs-)Prozess ausgestaltet wird, und daran hängt dann auch, wie viel Zeit das Verfahren braucht. Das Arbeiten am gemeinsamen Ziel fehlt oft. Es sollen z.B. schnell Wohnungen gebaut werden, aber es wird zu wenig für den Fachkräftemangel getan.

Dr. Edgar Göll: Zielkonflikte müssen erkannt, benannt und ausgehandelt werden, bevor Fakten geschaffen werden (z.B. Tesla-Fabrik). Oft fehlt die Weitsicht, so kann man nicht alle mitnehmen (Verweis auf Gemeinschaftswerk), Vertrauen geht verloren.

Michael Brentrup: Ein Leitbild für die Region existiert seit 18 Jahren, aber Papier ist geduldig. Beteiligung muss gut organisiert werden, damit sie nicht zu Frust führt (nicht als einmalige Beteiligung, sondern stetiger Prozess), der Klimaplan könnte hier ein gutes Vorbild sein (involviert verschiedene Stakeholder wie z.B. Jugendforum).

Thema Dauer des Kulturwandels (Transformation)

Prof. Dr. Knieling: Das braucht Zeit. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein wichtiger Faktor, der Umfang und Tiefe des Kulturwandels in der Gesellschaft bestimmt.

Dr. Göll: Die Frage nach sog. "sozialen Kipppunkten" wird in der Wissenschaft debattiert, also die Frage, welche Dynamiken eine kollektive (plötzliche, nicht-lineare) Richtungsänderung hervorrufen. Oft sind es Emotionen, die zum Loslegen animieren.