AMK-Fachtag 2020: Frieden und Entwicklung in der Sahel-Region - Wie ist die Destabilisierung zu überwinden?

"Frieden, Sicherheit und Stabilität sind Voraussetzungen für florierende Gesellschaften. Doch die Länder der Sahelregion stehen vor ganz besonderen Herausforderungen: Seit dem Sturz des Gaddafi-Regimes breitet sich von Libyen Destabilisierung aus. Realistische Strategien, wie nach dem Sturz Lybien zu befrieden wäre, gab es nicht. Der Waffenhandel blüht und islamistischen Terrorgruppen gelingt es immer wieder, große Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Von ihren Rückzugsräumen in den Regionen der Sahel-Staaten aus, in denen staatliche Strukturen immer schon äußerst schwach waren, terrorisieren sie die Bevölkerung und befeuern lokale Konflikte. Profiteure sind Schmuggler und Menschenhändler, welche das weitgehende Fehlen funktionierender staatlichen Strukturen für ihre kriminellen Machenschaften nutzen. Die Fluchtrouten durch die Sahelländer und Lybien sind seitdem noch lebensgefährlicher.

Doch Libyen ist nicht die einzige Ursache für die Destabilisierung der Sahelländer. Der Wandel der Agrarstrukturen im Prozess der Weltmarktintegration und Bevölkerungswachstum führen zu Unterbeschäftigung, die in der Region vom verarbeitenden Gewerbe nicht aufgefangen werden kann. Freigesetzte landen im prekären informellen Sektor. Nach dem aktuellen UNDP Human Development Report liegen von den insgesamt 189 berücksichtigten Ländern Mali (182.), Burkina Faso (183.), Tschad (186.) und Niger (189.) ganz hinten. Zudem ist die Region besonders vom Klimawandel betroffen und Konflikte zwischen Bauern und Viehzüchtern um fruchtbares Land nehmen zu. Aber auch Folgen des Kolonialismus spielen eine Rolle: Künstlich gezogene Grenzen mit großer ethnischer Heterogenität und von den Kolonialmächten übernommene Formen der zentralistischen Staatlichkeit führten dazu, dass Armutsregionen mit besonders schwachen staatlichen Strukturen in den schon von den Kolonialmächten vernachlässigten Landesteilen dauerhaft marginalisiert wurden. Fehlendes Vertrauen in kaum vorhandene staatlich Strukturen reproduziert Tribalismus und schlägt schnell um in Ablehnung. Vernachlässigte Bildungssysteme in diesen Regionen wirken ebenso als Nährboden für Terrorismus. Zudem sind Schulen ein bevorzugtes Ziel terroristischer Angriffe.

Der Fachtag bringt Multiplikator_innen der Diaspora, der Entwicklungszusammenarbeit sowie Fachexpert_innen zusammen, um gemeinsam Ansätze für Auswege aus dem beschriebenem Teufelskreis zu entwickeln.

Die leitenden Fragen unseres Fachtags 2020:

  • Wie kann die Sicherheitslage in der Region verbessert werden? Wie sind die Rollen Deutschlands, Frankreichs, der EU und der G5 der Sahelstaaten einzuschätzen? Wie können staatliche Strukturen stabilisiert werden?
  • Wie kann die ökonomische Lage in der Region verbessert werden, um eine Stabilisierung zu erreichen? Wie können ökonomische und institutionelle Entwicklungshemmnisse überwunden werden. Wie kann der “Marshallplan mit Afrika” der Bundesregierung genutzt werden? Was leisten die Förderungen der Bundesregierung, Frankreichs, der EU, aber auch Chinas?
  • Welche Einflussmöglichkeiten haben die Zivilgesellschaften, die afrikanischen Diasporen, Kirchen und Moscheen und entwicklungspolitischen NROs sowohl in Deutschland, als auch in den afrikanischen Ländern der Region? Welche Beiträge können sie zur Stabilisierung leisten? Wie können sie besser zusammenarbeiten? Wie können sie den interkulturellen und interreligiösen Dialog fördern, um ausgleichende Vermittlungen zwischen verschiedenen religiösen und sozialen Gruppen in der Region zu fördern und der extremistischen Instrumentalisierung von Religion vorzubeugen?"

Eine Veranstaltung des Afrikanischen Muslimkreis AMK e.V.

Informationen unter http://amk-berlin.de/fachtag-frieden-und-entwicklung-in-der-sahel-region/

Zeitpunkt: 
Samstag, Oktober 31, 2020 - 09:30 - 16:30
Thema: 
Eine Welt
Ort: 
ExRotaprint, Projektraum "Glaskiste", Gottschedstraße 4, 13357 Berlin-Wedding (Nähe U-Bhf Nauener Platz)